2021

Convivio mundi wünscht allen, unseren Mitgliedern, Freunden, Unterstützern und Interessierten
ein gesundes, glückliches und friedvolles neues Jahr.
Ludwig van Beethoven
„Komm, Hoffnung, lass den letzten Stern der Müden nicht erbleichen!"

„Oh, ihr Menschen, die ihr mich für feindselig, störrisch oder misanthropisch haltet oder erkläret, wie unrecht tut ihr mir. Ihr wisst nicht die geheime Ursache von dem, was euch so scheinet.", schreibt im Oktober 1802 der 32-jährige Ludwig van Beethoven, dessen 250ten Geburtstag wir in diesem Jahr gefeiert haben, während seines Aufenthaltes in Heiligenstadt in tiefster Verzweiflung über seine beginnende Taubheit an seine Brüder. „Mein Herz und mein Sinn waren von Kindheit an für das zarte Gefühl des Wohlwollens; selbst große Handlungen zu verrichten, dazu war ich immer aufgelegt. Aber bedenket nur, daß seit sechs Jahren ein heilloser Zustand mich befallen (…) oh, wie hart wurde ich durch die verdoppelte traurige Erfahrung meines schlechten Gehörs dann zurückgestoßen, und doch war's mir noch nicht möglich, den Menschen zu sagen: Sprecht lauter, schreit, denn ich bin taub …"

Ein Jahr später beginnt Beethoven mit der Arbeit an seiner Oper „Fidelio", die ihn zehn Jahre beschäftigen wird. Und wir erleben eine kraftvolle, kämpferische Leonore. Auf der Suche nach ihrem verschwundenen Gatten Florestan, einem politischen Gegner und Gefangenen Don Pizarros, hat sie sich verkleidet als Fidelio in das Staatsgefängnis in der Verantwortung des Pizarro eingeschleust und steht dem Kerkermeister Rocco als Gehilfe zur Seite.

Welch „zartes Gefühl des Wohlwollens" und der Menschlichkeit lässt Beethoven, physisch völlig taub, für uns ertönen, wenn Leonore nach ihrer ersten Begegnung mit Don Pizarro „des Mitleids Ruf, der Menschheit Stimme" einklagt und singt:
„Komm, Hoffnung, lass den letzten Stern der Müden nicht erbleichen! / O komm, erhell' mein Ziel, sei's noch so fern / Die Liebe, sie wird's erreichen."
Und als sie endlich Rocco zu dem Gefangenen in Einzelhaft begleiten darf, in tiefster Erregung mutig ausruft:
„Wer du auch seist, ich will dich retten / Bei Gott! Du sollst kein Opfer sein!"

Hat uns nicht 2020 dieses winzige, unscheinbare, nicht einmal mit dem bloßen menschlichen Auge wahrnehmbare Virus COVID-19 schonungslos gezeigt, wie es seine Opfer wählt. COVID-19 kennt keine Grenzen, keine Kontinente, Länder, Regionen und keine Unterschiede zwischen Hautfarben, Kulturen und Religionen, und zwischen arm und reich.

Zeigt diese Verwundbarkeit nicht umso mehr, wie wichtig es auch in Zukunft sein wird, unsere Herzen vor „Taubheit" zu schützen und „des Mitleids Ruf, der Menschheit Stimme" nicht verstummen zu lassen.
Mögen wir und die politisch Verantwortlichen uns auch in Zukunft in unseren Entscheidungen und unserem Handeln immer bewußt sein, warum der Europarat 1972 Beethovens „Ode an die Freude" aus dem letzten Satz der 9. Sinfonie zur offiziellen Hymne der heute über 400 Mio EU-Bürger wählten:

„O Freunde, nicht diese Töne! Sondern laßt uns angenehmere anstimmen,
Und freudevollere …"

In diesem Sinne wünscht Convivio mundi allen, unseren Mitgliedern, Freunden, Unterstützern und Interessierten ein gesundes, glückliches und friedvolles neues Jahr.

Geschrieben von Renate Müller De Paoli
Montag, 28. Dezember 2020


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