Wenn nicht hier, wo dann?

"Wenn nicht hier, wo dann? Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht du, wer dann?"
Interview mit Vertretern des Watershed Organisation Trust (WOTR) in Indien

Nach diesem Lebensprinzip begann Hermann Bacher, ein Schweizer Jesuitenpater, in den 1970er Jahren in armen, von Dürre und Überschwemmungen geplagten Dörfern West-Indiens den Bauern Wege zu zeigen, Regen während des Monsuns zu „ernten“ und Pflanzen zu wählen, die die Bodenerosion aufhalten. Zusammen mit Crispino Lobo gründete er später den Watershed Organisation Trust (WOTR). Inzwischen sind durch Pater Bachers Watershed-Methode 1,14 Millionen Hektar verstepptes Land begrünt worden. Bewohner von rund 3.400 Dörfern in acht Bundesstaaten Indiens nahmen an Schulungen teil und wurden zu Selbstversorgern. Eine Methode und ein Modell, das Schule macht. WOTR hat mit Unterstützung anderer NGOs mittlerweile Kontakte in 63 Ländern weltweit geknüpft. Im Gespräch mit Renate Müller De Paoli beschreiben führende Vertreter von WOTR Entstehung und Wirkung dieses erfolgreichen Begrünungsprozesses.

Rückhaltedämme

Zu den größten Problemen in Indien zählen die schweren Regenfälle und Überschwemmungen, die den ländlichen Raum und die Dörfer seit Jahren regelmäßig in den Monsunmonaten heimsuchen. Gleichzeitig machen Dürreperioden eine geregelte Landwirtschaft fast unmöglich. Der Schweizer Pater Hermann Bacher, einer der Gründer des WOTR, der seit fast 60 Jahren in Indien lebt, hat versucht sich des Problems anzunehmen. Was hat er in Gang gesetzt?

Wir leben in Wassereinzugsgebieten. Dörfer sind durch politische Grenzziehungen voneinander getrennt, natürliche Ressourcen (Land, Wasser, Wälder) hingegen sind durch Wassereinzugsgebiete definiert. Sie spielen im Leben der Gemeinschaften eine maßgebliche Rolle, denn das Ökosystem, in dem sie leben, bestimmt die Lebensgrundlage der Menschen. Und dieses Ökosystem kann durch menschliches Handeln zerstört, aber auch gestärkt werden. In den Wassereinzugsgebieten in Halbtrockenregionen kommt es oft zu langen Dürreperioden und Monsunregen, in jüngster Zeit auch zu kurzen schweren Regenfällen – mit gleichermaßen schweren Folgen für die Landwirtschaft: In Dürrejahren können keine Feldfrüchte angebaut werden, weil sie verdorren oder aufgrund großer Feuchtigkeit zugrunde gehen. Da es in solchen Gebieten nur selten regnet, muss das Regenwasser in den 30-40 Monsuntagen „geerntet“ werden, damit es 365 Tage lang für Menschen, Vieh und Ackerland zur Verfügung steht.
In den 1970er Jahren half Pater Hermann Bacher den Bauern in dem von einer Dürre betroffenen Bezirk Ahmednagar, indem er Brunnen baute und Bohrlöcher anlegte, um durch Bewässerung eine zweite oder gar dritte Ernte in einem Jahr zu ermöglichen. Unterstützt wurde die Initiative von einer örtlichen Genossenschaftsbank. Aber schon bald wurde Pater Bacher klar, dass etwas anderes, nachhaltigeres gebraucht wurde.


Pater Hermann Bacher
Pater Hermann Bacher

Was waren seine weiteren Schritte?

Nachdem fast zehn Jahre lang Brunnen gebaut und Bohrlöcher angelegt worden waren, erkannte Pater Bacher, dass die Probleme für die Bauern damit nicht gelöst wurden: Kein Wasser während der Dürreperioden, zu viel während schwerer Regenfälle. Seine Erfahrung lehrte ihn eine Lektion fürs Leben: „Um der Krise Herr zu werden, müssen wir von der Nutzung der Rohstoffe übergehen zu deren Mobilisierung (Erhalt und Management).“ In den 1980er Jahren begann er in dem Dorf Pimpalgaon Wagha im Bezirk Ahmednagar ein Experiment, innerhalb eines Einzugsgebiets die natürlichen Rohstoffe, ganz besonders Wasser, zu sparen. Um das Jahr 1987 herum zeigten sich dann die positiven Auswirkungen in dem Dorf. Das überzeugte ihn, dass „die Entwicklung der Einzugsgebiete die Lösung für Dürre und Überschwemmung gleichzeitig“ darstellte.
Bei Watershed verlangsamen Dämme an den Abhängen die Abflussgeschwindigkeit des Wassers, was die Bodenerosion mindert und die Wiederauffüllung des Grundwassers möglich macht. Die wachsende Vegetation auf den Flächen – Wiesen und Anpflanzungen – helfen nicht nur, die Erosion zu mindern, sondern verbessern auch die Bodenfeuchtigkeit und die Wasseraufnahme. Durch die Dämme zum „Ernten“ des Regenwassers konnten die Ströme besser aufgefangen werden, der Grundwasserspiegel stieg. Dank der besseren Durchfeuchtung des Bodens und der verfügbaren Brunnen konnten zusätzliche Flächen genutzt und zwei- bis dreimal jährlich bebaut werden. Den Bauern brachte es höhere Ernteerträge und damit ein besseres Einkommen.
Die wichtigste Auswirkung der Entwicklung des Wasser-Einzugsgebiets liegt im besseren Wachstum und der Verfügbarkeit von Wasser. Vorher waren die Dörfer in dürregeplagten Gebieten von Anfang Januar bis zum Einsetzen des Monsuns von der Trinkwasserversorgung durch Tanklaster abhängig gewesen. Mit den neuen Maßnahmen brauchten die Dörfer die Tankwagen nicht mehr, es gab kein Problem mit der Trink- und Brauchwasserversorgung. Nachdem sich solche Verbesserungen in mehreren Dörfern gezeigt hatten, prägte Pater Bacher das Motto: „Ohne Entwicklung der Wassereinzugsgebiete lässt sich die Dürre nicht bekämpfen.“
Er zog von Dorf zu Dorf und motivierte die Bewohner, freiwillig ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen – das indische Wort ist Shramdan – um die Bauten für die Wasserversorgung zu errichten. Das nötige Werkzeug wie Spaten und Hacke brachte er in seinem Jeep mit. Dann machte er sich selbst daran, in jedem Dorf, in dem Wasserknappheit herrschte, die vorhandenen Dämme zu reparieren oder neue zu errichten. Die Dorfbewohner sahen zunächst einige Tage zu, packten dann aber mit an und unterstützten seine Mission. Er gewann mehrere NGOs im Bundesstaat Maharashtra dafür, sich an der Watershed-Mission zu beteiligen. Er traf sich mit Vertretern der NABARD (National Bank for Agriculture and Rural Development) und der Regierung, auch mit der Zentralregierung in New Delhi, um seine Idee einer „participatory watershed development“, der gemeinschaftlichen Entwicklung der Wasser-Einzugsgebiete, voranzubringen. Er schaffte es, sie von der Einsatzbereitschaft der Dorfbewohner zu überzeugen; Gelder wurden direkt auf die Panchayat, die Konten der Dorfräte, überwiesen.

Pater Bacher diskutiert mit Dorfbewohnern
Pater Bacher diskutiert mit Dorfbewohnern

„Ohne Entwicklung der Wassereinzugsgebiete lässt sich die Dürre nicht bekämpfen“, lautete sein berühmtes Motto. Wie reagierten die Menschen in den armen ländlichen Regionen? Zum Beispiel die Bauern, die gewohnt waren, oft genug ihre Ernte zu verlieren?

Pater Bacher erhielt von der Deutschen Bundesregierung über das BMZ Geld für eine großangelegte Watershed-Mission: das „Indo-German Watershed Development Programme (IGWDP) im Bundesstaat Maharashtra. Er sicherte sich die Unterstützung der indischen Zentralregierung, der Regierung des Bundesstaats Maharashtra, der NABARD und Vertreter der Zivilgesellschaft; die Führung übernahmen dörfliche Komitees. Das war die Zeit von 1989 bis 1992.
Damals wurden die Dorfbewohner in den von der Dürre getroffenen Dörfern mobilisiert, sie waren bereit, beim IGWDP mitzumachen. Es mangelte jedoch am technischen Knowhow für die Watershed-Entwicklung. Neun NGOs waren zwar bereit, die Dorfbewohner zu unterstützen, verfügten aber nicht über das nötige technische Wissen. Da wurde Pater Bacher bewusst, dass sowohl bei den NGOs als auch bei den Dorfbewohnern technische Experten gebraucht wurden, wenn gute techno-soziale Dienste geleistet werden sollten. Zusammen mit seinem Kollegen Crispino Lobo beschloss er deshalb, eine neue Organisation, den Watershed Organisation Trust (WOTR) ins Leben zu rufen, der das IGWDP unterstützen und gleichzeitig die gemeinschaftliche Entwicklung von Wassereinzugsgebieten als Entwicklungsmaßnahme für Gebiete, in denen Wasserknappheit herrschte, fördern sollte. WOTR übernahm die Verantwortung dafür, pädagogische Methoden und Werkzeuge zu entwickeln und Dorfbewohner zu mobilisieren, sich am IGWDP zu beteiligen. Gleichzeitig wurden die erforderliche technische Unterstützung und Ausbildung für NGOs und Dorfbewohner bereitgestellt, damit diese je nach Bedarf der örtlichen Gemeinschaften in verschiedenen Regionen Erhaltungsmaßnahmen in Gang setzen konnten.
Innerhalb eines Jahrzehnts gewann WOTR über 77 NGOs für eine Mitarbeit und versetzte sie in die Lage, die Bewegung für die Entwicklung der Wassereinzugsgebiete im ganzen Bundesstaat zu verbreiten. Dem IGWDP gelang durch eine sozio-technische Herangehensweise, die die Menschen in den Dörfern ohne Schwierigkeiten aufgriffen, ein Durchbruch in den dürregeplagten Gebieten. Die Dorfbewohner richteten Watershed-Komitees ein, denen dann die Verantwortung für die Planung, Überwachung und Verwaltung der Gelder in einem Programm wie dem IGWDP übertragen wurde.

Aber wie hat es Pater Bacher geschafft, sie davon zu überzeugen, auch Regenwasser zu „ernten“?

Wie bereits erwähnt, hatte Pater Bacher immer Grabwerkzeuge dabei, wo immer er auch hinging. Er glaubte an das Vormachen, das selbst Machen, statt den Dorfbewohnern nur vom Regenwasser-Ernten zu erzählen. Kaum war er in einem Dorf angekommen, begann er Gräben zu ziehen. In einem Dorf, wo Wasserknappheit herrschte, arbeitete er mehrere Tage lang von morgens bis abends. Dabei erklärte er den Menschen, die ihm begegneten, wie wichtig es sei, das Regenwasser aufzufangen. Die Dorfbewohner beobachteten den „Ausländer“, der da tagein, tagaus an ihren Abhängen arbeitete. Allmählich fingen dann ein paar Dorfbewohner an, unter seiner Anleitung zu arbeiten und Strukturen für das Auffangen des Regenwassers zu bauen.
Dann wurde er gewöhnlich von der Gemeindevertretung (des Dorfs oder Weilers) eingeladen, während einer Gram Sabha (einer allgemeinen Versammlung) vor allen Einwohnern über die Entwicklung von Wassereinzugsgebieten zu sprechen. Ständig betonte er, wie wichtig es sei, Sofortmaßnahmen gegen die Dürre zu ergreifen. Den Versammelten, aber auch uns vom WOTR-Team, sagte er dann: „Wenn nicht
hier, dann wo? Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht ihr, wer dann?“ Das bestärkte die Menschen darin, Verantwortung zu übernehmen und sofort ans Werk zu gehen. In Wort und Tat war er dermaßen charismatisch, dass die Dorfbewohner, auch die Frauen und Kinder, seine Gedanken und sein Handeln übernahmen. Nicht nur sie, sondern auch das WOTR-Team, das mit ihnen arbeitete. Er war so reinherzig, so offen, dass es vollkommen natürlich schien, die Dorfbewohner und mit ihnen alle anderen, zu überzeugen, er brauchte sich dafür nicht extra anzustrengen.

Nala Staubecken

Und heute, wie setzt das WOTR-Team die Arbeit in den ländlichen Gebieten fort?

WOTR hat umfassende Strategien für die Entwicklung von Wassereinzugsgebieten entwickelt, die sich auch der Herausforderung durch den Klimawandel stellen. Heute ist es wichtiger denn je, sich dem Bedarfsmanagement des Wasserverbrauchs zu widmen. Die Entwicklung der Wassereinzugsgebiete hat den Menschen geholfen, Regenwasser zu ernten und den Grundwasserspiegel zu erhöhen, aber die Bauern haben das Wasser einfach entnommen, was in manchen „Watershed“-Dörfern erneut zu Wassermangel geführt hat. Deshalb konzentriert sich WOTR jetzt darauf, auf der Ebene der Einzugsgebiete, der Dörfer und der Wasserleitungen für eine „Wasserverwaltung“ zu werben.
Dorfbewohner werden mobilisiert, den Grundwasserspiegel zu erhalten, indem sie für ihr Dorf ein „Wasserbudget“ aufstellen (d.h. für die Nutzung verfügbares Wasser), und eine Erntefolge zu erstellen, die dem zur Verfügung stehenden Wasser angemessen ist (die Landwirtschaft verbraucht 83 % des verfügbaren Wassers) und Techniken einzusetzen, die den Wasserverbrauch effizienter machen (Tropfrohre, Berieselungsanlagen). Das Ziel ist, die Gemeinschaft unabhängig von den Unwägbarkeiten des Klimawandels und auch von Marktschwankungen zu machen. Daher wird unter den Bauern für klima-resistente landwirtschaftliche Praktiken geworben, zu denen externer Output, organische Mittel, wissenschaftliche Methoden und Wassermanagement gehören. Die Prinzipien, institutionell und gemeinschaftlich, bleiben weitgehend wie bisher im Watershed-Entwicklungsprogramm, aber der Fokus liegt heute auf klimaresistenter und marktorientierter ganzheitlicher, integrierter Entwicklung.

  • Bei der Arbeit
  • Bei der Arbeit

Sind eigentlich alle Einwohner eines Dorfes und alle sozialen Gruppen an den Projekten beteiligt, d.h. auch jenseits des Kastensystems? Ist „Watershed“ vielleicht sogar ein Weg, all die langjährigen gesellschaftlichen Grenzen in Indien aufzubrechen?

Pater Bacher hat das einmal erwähnt: „Die Einheit der Menschen schafft das Wassereinzugsgebiet und dieses wiederum gibt den Menschen einen Sinn von Einheit.“ Wenn es darum geht, die Gemeinschaft in dieser Frage zusammenzubringen, dann sind alle, besonders die Bauern, bereit zu diskutieren und zu handeln. Das lässt sich aber nicht voraussetzen in einer dörflichen Situation, in der viele politische, ethnische, Kasten- und Klassenfragen involviert sind. Es war und ist schwierig für alle Watershed-Vertreter, die Menschen auf derselben Ebene zusammenzubringen. Wenn er gefragt wurde, wie wir in der komplexen ländlichen Umgebung in Indien für Wathershed-Entwicklung werben, antwortete Pater Bacher: „Wir katalysieren kreative Reize für demokratische Prozesse in einer Atmosphäre entspannter Spannungen.“ Das sagt alles. Es ist machbar, aber nicht ohne große Anstrengungen.


Gibt es auch größere Veränderungen bei Anbau und Auswahl von Saatgut und Pflanzen, die mehr Wasser speichern? Was empfiehlt WOTR für einzelne Gebiete?

Die Anpflanzung (das Pflanzen von Bäumen), das mit der Hilfe des Forstministeriums entwickelt wurde, läuft noch immer. Dazu gehört das Graben und Auffüllen von „Gräben mit ständiger Kontur“, die gemeinschaftliche Auswahl von lokalen Pflanzenarten und auf örtlicher Ebene das Shramdam (freiwillige Arbeit) bei der Pflanzung. Was sich hingegen verändert hat, ist der Umfang der Anpflanzung. Er ist drastisch geschrumpft, da sich die Geber heute lieber auf die Anbauflächen der Bauern konzentrieren statt auf etwas, das sie als „unbebautes Waldland“ betrachten. Was die klimaresistente Landwirtschaft angeht, so hat WOTR eine integrierte Herangehensweise entwickelt, die auf heimische und verbesserte Sorten (besonders in Hinsicht auf Wachstum und Pflanzenschutz) setzt, die Bauern werden über wetterbasierte und pflanzenspezifische Fragen beraten. Darüber hinaus hilft WOTR ihnen, sich in Farmer Producer Companies (PFCs) oder Producer Groups (PGs) zusammenzuschließen, um besseren Zugang zu Märkten zu erhalten und bessere Preise für ihre Erzeugnisse zu erzielen.

Watershed Luftbild

Wie viele Hektar Land sind bisher durch diese Watershed-Methode von WOTR wieder nutzbar gemacht worden? Wie viele Inder können dadurch heute ihren Lebensunterhalt verdienen?

WOTR arbeitet heute in sieben indischen Bundesstaaten (Maharashtra, Madhya Pradesh, Telangana, Andhra Pradesh, Rajasthan, Jharkhand, Odisha – in der Vergangenheit auch Bihar) und liefert technische und bauliche Dienste in einigen afrikanischen Ländern (s. auch letzte Frage).
Dabei konzentriert sich WOTR auf die Entwicklung von Wassereinzugsgebieten und das Management von Ökosystemen, des integrierten Wassermanagements, klimaresistenter Landwirtschaft, nachhaltigen Auskommens, institutioneller Entwicklung, guter Verwaltung sowie mehr Rechte für Frauen.
2016 rief WOTR das „WOTR Center for Resilience Studies (W-CReS)“ ins Leben, das für unterschiedliche Interessengruppen interdisziplinäre, angewandte Studien über Probleme an der Basis durchführt. W-CReS soll die eigene Arbeit und die Arbeit praktizierender Organisationen für die Politik und die Bautätigkeit von Entwicklungstätigen dokumentieren.
Bisher hat WOTR in mehr als 3.360 Dörfern in acht indischen Bundesstaaten ländliche Entwicklungsprojekte durchgeführt und unterstützt. Davon profitieren über 3,35 Millionen Menschen, mehr als 370.000 Menschen aus ganz Indien und dem Ausland wurden ausgebildet, es besteht eine Zusammenarbeit mit 230 NGOs oder Project Implementing Agencies (PIAs). Von diesen Dörfern hat WOTR direkt und in Partnerschaft mit 154 NGOs Watershed-Entwicklungsprojekte auf über 1,14 Millionen Hektar in 1914 Dörfern mit 1,97 Millionen Menschen in Gang gesetzt.
Darüber hinaus hat WOTR 12.271 Lehrveranstaltungen organisiert, darunter Konferenzen, Workshops, Versammlungen, Trainings- und Ausbildungsveranstaltungen auf Dorfebene und für Entwicklungsarbeiter, an denen rund 370.000 Menschen aus 27 Bundesstaaten in Indien und 63 Ländern teilgenommen haben. Von diesen Veranstaltungen sind 12.214 nationale und 57 internationale Events. Eine große Menge an Schulungsmaterialien, darunter Forschungsartikel, Wirkungsstudien, sozio-techno-ökonomische Studien und unterschiedliches didaktisches Material in digitaler Form sind veröffentlicht und verbreitet worden.


Wie Ihre Zahlen zeigen, könnte die Methode auch Landschaften in anderen Erdteilen zum Positiven verändern. Arbeitet WOTR auch mit anderen Ländern zusammen, beispielsweise in Afrika?

Die Watershed-Strategien auch in anderen Ländern, besonders in Afrika, anzuwenden, steht für WOTR schon lange auf der Tagesordnung. In Ländern wie Kenia, Tansania, Somalia und Malawi unterstützt WOTR vor Ort durch technische Hilfe und Assistenz beim Management. In Somalia haben wir mit finanzieller Unterstützung von IFAD zwei Jahre lang technische Hilfe bei einem Projekt geleistet. In Malawi stellen wir seit 6-7 Jahren technische Anleitung und Unterstützung bereit. Unsere Besuche sollen vor allem dazu dienen, lokale Teams und Dorfbewohner durch Training und praktische Demonstration fit für die Aufgabe zu machen.


Wir danken Ihnen.

Vita:

Prakash Keskar, Leitender Direktor von WOTR
Prakash Keskar ist Leitender Direktor des Watershed Organisation Trust (WOTR). Er ist seit über 25 Jahren auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Regionen im Entwicklungssektor tätig (davon 21 Jahre für WOTR). Er war in leitender Position an großen Projekten zur Entwicklung von Wassereinzugsgebieten beteiligt, darunter das Indo-German Watershed Development (in der Programmkoordination) und das Watershed Development Fund (WDF) der National Bank for Agriculture and Development (NABARD) (im Projekt Sanktionsausschuss). Er verfügt über einen Universitätsabschluss in Technik (Agraringenieurwesen) und in Soziologie.
Er leitete Projekte zum Management von Wassereinzugsgebieten und Rohstoffen und initiierte Projekte, in die lokale Gemeinschaften, Regierungsbehörden, Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen einbezogen waren, und entwickelte Ausbildungsprogramme. Für WOTR wirkte er als Berater in Indien sowie in Somalia, Kenia, Tansania und Malawi.

  • Sandipkumar Jadhav, Direktor, WOTR
  • Marcella D’Souza
  • Crispino Lobo


Sandip Jadhav ist seit über 25 Jahren für NGOs und staatliche Behörden tätig und wirkt darüber hinaus im Bereich Corporate Social Responsibility. Er verfügt über große Erfahrung in der gemeinschaftlichen Entwicklung von Wassereinzugsgebieten (participatory watershed development), in der Entwicklung des ländlichen Raums, im Ressourcenmanagement, dem Aufbau von Institutionen, Ausbildung, Projektplanung und Management, Beobachtung und Evaluation. Maßgeblich war seine Beteiligung am Indo-German Watershed Development Programme (IGWDP) in Maharashtra, das zu den erfolgreichsten Wassereinzugsgebiet-Entwicklungsprogrammen in Indien und weltweit zählt. Sandip hat einen Universitätsabschluss in Agraringenieurwesen und in Ökonomie.
Er bekleidete Führungsposten in Organisationen wie der Lupin Foundation, MAVIM (Mahila Arthik Vikas Mahamandal) in Mumbai. Seit über 20 Jahren ist er dem Watershed Organisation Trust (WOTR) verbunden, derzeit als WOTR-Direktor in Puna.


Marcella D’Souza ist Direktorin des WOTR Center for Resilience Studies (W-CReS); von 2006 bis März 2019 war sie Direktorin des indischen Watershed Organisation Trust (WOTR). Sie ist ausgebildete Ärztin und Takemi Fellow der Harvard School of Public Health.
Sechs Jahre lebte sie in ländlichen Gemeinschaften in Peru, wo sie sich vor allem für die Öffentliche Gesundheitsfürsorge einsetzte. 1995 begann sie bei WOTR als Koordinatorin für die Förderung von Frauen im Rahmen des bilateralen Indo-German Watershed Programme.
2009 initiierte sie als Leitende Direktorin das Climate Change Adaption in Semi-arid Regions in drei indischen Bundesstaaten. Das Projekt wurde unterstützt von der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit und der National Bank for Rural Development; Ziel ist es, Methoden, Verfahren und Werkzeuge für die Anpassung an den Klimawandel in Halbtrockengebieten zu entwickeln. Dazu zählen Methoden für Wassermanagement (von der lokalen Gemeinschaft betriebenes Grundwassermanagement), klimaresistente Landwirtschaft und lokale Beratung über Anbaupflanzen. Mangelndes Verständnis für die lokalen Bedürfnisse veranlassten sie zur Gründung der Forschungseinrichtung W-C ReS, die sich auf transdisziplinäre Forschung im Interesse politischer Planung, Durchführung und der ländlichen Bevölkerung konzentriert.


Seit fast 30 Jahren beschäftigt sich Crispino Lobo mit der Entwicklung ländlicher Gebiete, von der Planung über das Programmmanagement bis hin zu politischen Engagement. Zu seinen Fachgebieten zählen Rohstoff-Management, Watershed-Entwicklung, integriertes Wassermanagement, nachhaltige Landwirtschaft, Anpassung an den Klimawandel, institutionelle und politische Entwicklung. Er war Mitbegründer von vier gemeinnützigen Organisationen – Watershed Organisation Trust (WOTR), Sampada Trust (ST), Sanjeevani Institute of Empowerment and Development (SIED) sowie der Sampada Entrepreneurship and Livelihood Foundation (SELF). Diese Organisationen haben das Leben von über 3,7 Millionen Menschen in 8 indischen Bundesstaaten nachhaltig verändert; über 475.000 Menschen aus 27 Staaten und 63 Ländern wurden ausgebildet, Entwicklungsprojekte in mehr als 4.800 Dörfern unterstützt. Darüber hinaus war Crispino 13 Jahre lang Programmkoordinator des groß angelegten und hoch geschätzten bilateralen Indo-German Watershed Development Program (IGWDP) in Maharashtra.
1999 gab er gemeinsam mit NABARD den Anstoß zur Einrichtung des Watershed Development Fund durch die indische Zentralregierung, der über NGOs Watershed-Entwicklungsprojekte in mehreren Bundesstaaten unterstützt. 2014 initiierte er die Einrichtung des National Adaptation Fund (NAF), der heute unter der Leitung des indischen Ministeriums für Umwelt, Forsten und Klimawandel steht.
Crispino ist Absolvent der Kennedy School of Government der Universität Harvard und des Gokhale Institute of Politics and Economics in Puna mit Abschlüssen in Philosophie, Theologie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaft und Verwaltungswissenschaft; er ist Autor und Koautor von mehreren Artikeln und sieben Büchern, von denen drei auch international publiziert wurden.
Seit 21 Jahren ist er regelmäßig an den vorbereitenden Haushaltsberatungen im Bereich Landwirtschaft beteiligt; 2017 wurde er von der Regierung des Bundesstaats Maharashtra in die Expertengruppe über Wassermanagement (Expert Working Group on Water Resources Management) des NITI Aayog (Nachfolger der indischen Planungskommission) und die Platform on Water Governance berufen.

Die Fragen stellte Renate Müller De Paoli.
Keskar Prakash (Executive Director), Sandeep Jadhav (Director, WOTR); Dr. Marcella D'Souza (WOTR’s Trustee and Director of W-CReS unit) and Crispino Lobo (gemeinsam mit Pater Bacher Gründer von WOTR) beantworteten diese schriftlich am 20. August 2019.

Übersetzung aus dem Englischen: Ortrun Cramer

Fotos: WOTR

"Wenn nicht hier, wo dann? Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht du, wer dann?"


Interview mit Vertretern des Watershed Organisation Trust (WOTR) in Indien