"Lesen gefährdet die Dummheit"

Interview mit Ute Henze,
Inhaberin einer Buchhandlung im vorpommerschen Wolgast

Bildquelle: © Ute Henze

"Lesen gefährdet die Dummheit!", so stand es im November in großen Lettern auf einem Plakat im Schaufenster der Buchhandlung von Ute Henze im vorpommerschen Wolgast. Auslöser für ihre Initiative zum bundesweiten Vorlesetag waren für die gelernte Buchhändlerin Forschungsergebnisse aus Amerika über die Wortschatzentwicklung von Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wird gegenüber Kindern, denen fast nie vorgelesen wird. Eine Entwicklung, die Bibliothekare, Buchhändler, Erzieher, Lehrer, Kinder- und Jugendbuchautoren auch ohne Zahlen und PISA-Ergebnisse seit Jahren beobachten und nach einem Lesepakt in Deutschland rufen lassen. Für Ute Henze jedenfalls und ihrem Team der Buchhandlung, wie auch den Mitarbeitern der Stadtbibliothek in Wolgast ist die Arbeit mit Kinder- und Jugendbüchern eine "Herzensangelegenheit". Kindergruppen und Schulklassen kommen oft in die Buchhandlung, wie sie im Gespräch mit Renate Müller De Paoli berichtet. Und jährlich wird der Kreisentscheid im Vorlesewettbewerb in ihrer Buchhandlung ausgetragen.

Bildquelle: © Gunnar Gotter / Ute Henze

Frau Henze, wie ist bei Ihnen die Idee für dieses Plakat entstanden?

Ich bin im SPIEGEL auf diese Notiz gestoßen und war fasziniert von diesen Zahlen. Beim Gespräch mit dem Grafiker Gunnar Gotter entstand dann die Idee, ein Plakat zu gestalten und in Verbindung mit einem Schaufenster für Vorlesebücher auf die Wichtigkeit des Vorlesens aufmerksam zu machen.


Wie lief die Umsetzung?

Die Gestaltung hat Herr Gotter übernommen und das Ergebnis finde ich toll.


Gab es daraufhin Reaktionen von Eltern, Kindern und Jugendlichen?

Als das Plakat im Schaufenster ausgestellt war, konnten wir beobachten, wie die Passanten darüber diskutierten.


Welche Erfahrungen haben Sie als Buchhändlerin z. B. im Raum Wolgast, was das Vorlesen anbetrifft? Erkennen Eltern die Wichtigkeit und nehmen sich auch die Zeit dafür?

Wir verkaufen Vorlesebücher sehr gut und kennen viele Eltern, die täglich vorlesen. Aber natürlich geschieht das nicht in allen Kinderzimmern. Wir müssen dranbleiben!


Unternimmt Ihre Buchhandlung neben der Beratung über Kinder- und Jugendbücher auch Aktionen, um die Leseförderung zu unterstützen? Wie versuchen Sie, angesichts der starken Konkurrenz von Smartphones und Tablets Kinder und Jugendliche zu erreichen?

Wir haben oft Kindergruppen und Schulklassen bei uns zu Besuch. Zuerst wird immer vorgelesen und wir sind jedes Mal fasziniert, wie aufmerksam die Kinder dem Text folgen. Im Anschluss dürfen sich dann alle in der Buchhandlung umsehen und natürlich jedes Buch in die Hand. nehmen. Es stimmt einfach nicht, dass Kinder sich immer weniger für Bücher interessieren. Trotz Smartphones und Tablets übt das gut gemachte und interessante Buch eine Faszination auf die Kinder aus.


Frau Henze wir danken Ihnen.

Vorlesestunde in einer Buchhandlung in Wolgast:
Bildquelle: © Ute Henze


Ute Henze, gelernte Buchhändlerin, führt seit 1991 im vorpommerschen Wolgast eine Buchhandlung mit allgemeinem Sortiment.


Die Fragen stellte Renate Müller De Paoli.
Ute Henze beantwortete diese schriftlich am 6. Dezember 2019.

"Lesen gefährdet die Dummheit"

Interview mit Ute Henze,
Inhaberin einer Buchhandlung im vorpommerschen Wolgast