Der Mensch ist wirklich keine Maschine

Der Mensch ist wirklich keine Maschine


Am 01.03.2008 hielt Herr Dr. H.-J. Fischbeck im Freizeitheim Lister Turm einen ca. einstündigen Vortrag zum Thema "Der Mensch ist wirklich keine Maschine".
Im Anschluss gab es Gelegenheit für Rückfragen und Diskussion.

Nach einer kurzen Einleitung durch den Vorstand von Convivio mundi, stellte Herr Dr. Fischbeck seine Entgegnung auf den "Angriff" auf Menschenbild und Menschenwürde durch Naturalismus und Neurobiologie vor.
Der Physiker aus Berufung erhob dabei nicht den Anspruch, ein "zu Ende gedachtes" und unangreifbares System zu präsentieren, sondern zeigte, ausgehend von seinem Fachbereich die Möglichkeit auf, die sich aus den Erkenntnissen in der Quantentheorie für eine Annäherung von Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und Religion ergibt.
Die Würde des Menschen ist von einem naturalistischen Standpunkt aus nicht begründbar, da sich nicht erklären lässt, warum in einer Wirklichkeit, die ausschließlich aus physischen Teilchen besteht, einem menschlichen Wesen mehr Würde zukommen soll als einem anderen beliebigen physikalischen Gegenstand.
Fischbeck geht daher von einer "Doppelstruktur der Wirklichkeit", von Faktenwirklichkeit und Beziehungswirklichkeit, aus. (Naturalistische Positionen gehen dagegen nicht von einer zweiten Wirklichkeitsebene aus, sondern betrachten Phänomene, die nach Fischbeck der letzteren zuzuordnen sind, als bloße Epiphänomene, Begleiterscheinungen der physikalischen Erscheinungen.) Die Beziehungswirklichkeit wiederum findet auf drei Ebenen statt:

1 Der Mensch ist wirklich keine Maschine . der intrapersonalen (der Beziehung des Individuums zu sich selbst),
2. der zwischenmenschlichen und
3. der Beziehung zu Gott, zum Ganzen der Schöpfung.

In diesen Beziehungswirklichkeiten sieht Fischbeck die Würde des Menschen begründet. In der ersten zeigt sich die Autonomie, in der zweiten die "Liebenswürdigkeit" des Menschen, der geschaffen ist, um geliebt zu werden. In der dritten wird der Mensch als Abbild Gottes gewürdigt. Da diese Beziehungsebenen metaphysisch sind, ist auch die Würde des Menschen transempirisch (und kann daher naturalistisch weder belegt noch widerlegt werden).

Auf diese Weise zeigt Fischbeck, dass die These Singers, dass das Konstrukt einer immateriellen Seele nicht haltbar sei, ihrerseits kurzsichtig und nicht haltbar ist.
Für Fischbeck ergibt sich daraus, dass menschlichem Leben auch in Grenzsituationen des Lebens, in denen sich das Bewusstsein nicht durch Beobachtung feststellen lässt, (z.B. Embryonen, Komapatienten) die Würde zukommt, die es verbietet, dieses Leben zu töten oder sonstig gegen seine Würde zu verstoßen.
Die These Fischbecks, dass ein Zusammenhang zwischen Quantenphysik (Potentialität und Realität) und Beziehungs- und Faktenwirklichkeit besteht, wurde zum Teil mit Skepsis aufgenommen und im Anschluss an den Vortrag ausführlich diskutiert. Die Potentialität des Quantenobjekts, argumentierte Fischbeck, ist so wenig materiell wie die Seele oder der Geist des Menschen; und die Seele kann Anteil haben an der Potentialität des Guten (= Wirklichkeit Gottes), wodurch sie in dieser Beziehung zu Gott fortdauern kann, auch wenn sich die materielle Grundlage verändert. Kurz gesagt bedeutet dies die Unsterblichkeit der Seele.

Fischbeck zeigte die Analogie von Welle und Teilchen in der Quantenphysik zum Dualismus von Fakten- und Beziehungswirklickeit. Es ging ihm dabei weder um eine 1:1-Übertragung, noch darum, die Quantenphysik als Instrument zum Nachweis der Menschenwürde zu gebrauchen. Er findet dort einen "Denkrahmen", ein naturwissenschaftliches Bezugssystem, das sich einer Vereinbarkeit von Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und Religion nicht mehr verschließt. Die Diskussionsbeiträge waren weitreichend. Es wurde u. a. vorgebracht, dass die Quantenphysik viel weniger effektiv in der Lage sei, "zurückzugeben", was die klassische Physik "genommen" hat, als eine intensive Beschäftigung mit den Ideen Leibniz'. Wenn die Quantenmechanik als ein Weg über die Materie eine Tür öffne, nicht materielle Phänomene zu erklären, hieß es dagegen an anderer Stelle, dürfe man sie, ohne sie in ihrer Bedeutung überzubewerten, nicht vernachlässigen.

Wer das Thema vertiefen und die Gedanken Fischbecks weiterverfolgen möchte, kann dies mit folgender Lektüre:
Fischbeck, Hans-Jürgen:
Die Wahrheit und das Leben. Wissenschaft und Glaube im 21. Jahrhundert. Herbert Utz Verlag, 2005. 139 Seiten.


Janina Schmiedel