Convivio mundi stellt sich vor

Leibniz war ein Globalisierer!

In Hannover und Hamburg fanden in der letzten Mai-Woche Veranstaltungen statt.
Convivio mundi stellte sich vor und steckte den Rahmen der Ideen ab,
in welchem der Verein seine zukünftigen Aktivitäten umsetzen will.


Vorstandsmitglied Steffen Brosig erinnerte an das Konzept der Freude aus Schillers Ode „An die Freude“: Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt. Die strenge Teilung aufzuheben, die zwischen den verschiedensten Gruppen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft herrscht und vielfach schon als Spaltung empfunden wird, sei ein unmittelbares Ziel des Vereins Convivio mundi. Diese Freude zu verbreiten sei das wichtigste Vereinsziel, befand Brosig.

Bezüglich der wirtschaftlichen Gerechtigkeit und der wachsenden Diskussion um die Globalisierung zitierte Renate Müller De Paoli aus einem Interview des Unternehmers Vietz über die katastrophalen Zustände in Indien, die er während seiner ersten Gespräche über ein wirtschaftliches Engagement in Indien erfuhr, wo er tausende Frauen und Kinder auf Baustellen und deren Misshandlung erlebte. Es kann nicht nur um den virtuellen, finanziellen Anteil in der Wirtschaft gehen, nicht nur um Hedge- oder sonstige Fonds und wann sie zusammenkrachen. Diese Analysen tragen nicht viel zur Verbesserung der Lage bei. Man müsse sich fragen, wie viel Prozent des Bruttosozialprodukts wirklich in die Verbesserung des Lebensstandards, wie z.B. in die Bildung oder in das Gesundheitswesen eines Staates fließt. Sie erwähnte den Human Development Index als interessante Quelle für diese Daten und verwies auf zwei Beispiele in Europa: 28 % der Bevölkerung in Lettland und in Rumänien 23 % müssen pro Tag von 4 Euro leben. Im Unterschied dazu berichtete sie über den Fall eines jungen japanischen Arbeiters, dessen Gehalt ihm trotz täglicher Arbeit nicht ermöglichte, eine Wohnung zu bezahlen und der deshalb jede Nacht in einem Internet-Cafe schlafen muss.

Für eine andere Form der Verarmung steht eine Studie, über die kürzlich in der deutschen Presse zu lesen war. 10 % der 9-10 jährigen Kinder in Deutschland schlafen nicht genug und 50 % dieser Altersgruppe findet zu wenig Ruhe im Schlaf, so dass Ärzte und Pädagogen empfehlen, mit Gutenachtgeschichten und -gebeten den Kindern wieder mehr Sicherheit zu vermitteln und ihnen die Möglichkeit zu geben, Erlebtes besser verarbeiten und den physisch wie psychisch notwenigen Schlaf finden zu können.

Convivio mundi e.V. arbeitet daran, zur Durchsetzung der unveräußerlichen Menschenrechte

einen Indikator für den allgemeinen Entwicklungsprozess, der den Lebensstandard und den „sozialen Fortschritt“ bestimmt, zu entwickeln, der Regierungen und anderen Institutionen als Maßstab für ihre Entscheidungen dienen kann.

Wie leben die Menschen und wie könnten sie zusammenleben?

Für diesen Ansatz steht Convivio mundi: Frau Müller De Paoli berichtete über das Leben des Dante Alighieri (1265 – 1321), nach dessen Sammlung philosophischer Gespräche „Convivio“ („Gastmahl“) der Verein Convivio mundi e.V., was soviel wie „Gastmahl der Welt“ bedeutet, benannt ist Dante stellte in der Tradition Platons die Gerechtigkeit als eine ganz besondere Idee heraus, die von jedem Menschen verstanden werden kann. Gerecht ist nicht, was dem Mächtigen nützt, wie Platon richtig feststellte. Heutzutage wird leider immer mehr akzeptiert, dass Habsucht, Hab- und Machtgier als Triebfeder der Wirtschaft funktionieren.

Frau Müller De Paoli betonte, dass es um ein neues Konzept der Globalisierung gehen müsse. Sie zitierte Leibniz, der den „menschlichen Geist immer als sich selbst bewegende Substanz“ bezeichnete und in diesem Verständnis einen ausgedehnten „Handel“ mit Erkenntnissen, einen Austausch von vorhandenem Wissen und neuen Entdeckungen anstrebte. Das wäre doch eine wirkliche Globalisierung, wenn wir die verschiedenen Länder der Welt in dieser Tradition so verstehen lernen, meinte Frau Müller De Paoli in der anschließenden regen Diskussion.



Geschrieben von Birgit Brenner
Freitag, 15. Juni 2007