60. Jahrestag der Menschenrechte


Convivio mundi feierte den 60. Jahrestag der Menschenrechte

Am 29.11.08 luden wir in's Freizeitheim Vahrenwald zu einer Diskussionsveranstaltung anlässlich des 60. Jahrestages der Menschenrechtserklärung ein.

Drei Vorträge mit jeweils anschließender Diskussion beleuchteten die Aspekte Geschichte und Praxis der Menschenrechte sowie Wirtschaftsethik.

«Convivio mundi versucht, eine Jahrtausend alte Tradition, über die wir schon bei Platon lesen können, fortzuführen, nämlich den sozialen Akt des Gastmahls.» Mit diesen Worten leitete Renate Müller dePaoli ihre Begrüßung ein.
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Zur Einstimmung wurden danach von R. Müller-DePaoli und S.Brosig
einige Artikel aus der Menschenrechtserklärung vorgetragen.

Der sich anschließende erste Vortrag von Dr.Ritzler stellte Person und Leben von Jaques Maritain vor.

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Die herausragende Leistung dieses charismatischen Franzosen besteht in seiner treibenden und gleichzeitig verbindenden Rolle in dem internationalen Kommitee, das im Jahr 1947 in Mexiko zusammenkam, um die Grundlagen für die UN-Menschenrechtserklärung zu legen.

Bemerkenswert vor allem, dass es Maritain gelang - obwohl selbst strenger Katholik - im Dienste der Sache die anderen Teilnehmer zu einer für alle Seiten akzeptablen Formulierung zu führen. Selbst die Sowjetunion und der Ostblock enthielten sich damals nur der Stimme. Zu deutlich waren wohl noch die Eindrücke der beiden Weltkriege.

Der zweite Vortrag war ein Erfahrungsbericht von Frau Dr. med. Hillebrand über ihren Einsatz in einem Projekt von „Ärzte ohne Grenzen“ in einer Provinz Sri-Lankas. Sie stellte die Organisation vor und berichtete über die Arbeit vor Ort. Sie stellte anschaulich die Lebensbedingungen in der Bürgerkriegsregion und den Arbeitsalltag, die Zusammenarbeit mit den einheimischen Ärzten und die Barrieren humanitärer Hilfe in Krisengebieten dar.

„Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Nothilfe, wenn in Kriegsgebieten oder nach Naturkatastrophen das Leben vieler Menschen bedroht ist - ohne nach Herkunft, Religion oder politischer Überzeugung zu fragen.“ Sie leistet somit einen unschätzbaren Beitrag zur praktischen Umsetzung der Menschenrechte (Art. 25: Gesundheit, med. Versorgung).
Für weitere Informationen: www.aerzte-ohne-grenzen.de.

Herr Dr. Grün, der stellvertretend für Ulf Posé für den Ethikverband der deutschen Wirtschaft sprach, brachte einen philosophisch - theoretischen Gesichtspunkt in die Veranstaltung. Er vertrat dabei die These, dass eine „globale Ethik“ nur auf Basis einer von Religion losgelösten Weltanschauung möglich sei. Ethik, sofern sie auf religiöser Überzeugung beruht, stellt seiner Auffassung nach ein Gefahrenpotential dar.
Seine provokanten Thesen riefen heftige Diskussionen hervor. Als besonders problematisch empfunden wurde die Vorstellung einer universalen Ethik, die sich von äußeren Einflüssen und Bezugssystemen radikal abzugrenzen sucht. Zusätzlich löste das suggestive Auftreten des Referenten bei vielen Diskussionsteilnehmern Befremden aus. Seine Antwort auf eine diesbezügliche Bemerkung aus dem Auditorium sei hier nicht vorenthalten: "...werde ich heute Abend zu meiner Frau sagen: 'Das Niveau war hoch, aber niemand war drauf.'"
Dr. Grün spricht sich für eine leicht zugängliche, jedem verständliche Philosophie aus, die nicht allein im philosophischen Elfenbeinturm stattfinden solle. (Promoviert hat er über Schellings Naturphilosophie, den Zuhörern ans Herz gelegt hat er die Philosophie Schopenhauers und preist die Hegelsche Dialektik auch für den "Privatgebrauch").
Ihm kommt es besonders auf den Fortschrittscharakter der Philosophie an. Seiner Vorstellung von Wissenschaftsethik stellte er exemplarisch die katholische Kirche, (mit Bezug auf die Encyclicae der letzten Jahre) als stagnierende bzw. rückschrittliche Institution gegenüber. (Das uns von Herrn Dr. Grün zur Verfügung gestellte Manuskript hat, wohl auch durch das Kontra von den Zuhörern, nur wenig mit seinem Vortrag gemein. Wer sich näher über die Ansichten von Dr. Grün informieren möchte, dem sei als Ausgangspunkt die Site: http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Jürgen_Grün empfohlen.)


Geschrieben von Janina Schmiedel und Steffen Brosig
Freitag, 12. Dezember 2008