Dem Frieden und der Zukunft eine Chance geben

Dr. Martin Marianowicz
Dr. Martin Marianowicz

Dem Frieden und der Zukunft eine Chance geben,

will Dr. Martin Marianowicz, deshalb engagiert er sich im Peres Center for Peace, das mit seinen Aktivitäten in Israel und Palästina besonders Kinder und Jugendliche zu erreichen versucht. Wer kennt sie nicht die Bilder von verzweifelten, Steine werfenden Kindern. Sie haben sich nie kennengelernt, aber sie meinen, sich hassen und bekämpfen zu müssen.

„Der Hass beruht auf der Unkenntnis der anderen Seite und falschen Vorstellungen und Vorurteilen“ erklärt Dr. Marianowicz, seit 2006 Vorstandsmitglied im Peres Center for Peace, im Gespräch mit Renate Müller De Paoli:

Herr Dr. Marianowicz, was hat Sie als Facharzt für Orthopädie bewegt, in Deutschland das Peres Center for Peace aufzubauen?

Ich denke, wenn das Schicksal es so gut mit mir gemeint hat, als einen Menschen mit Migrationshintergrund, dann muss man dem Schicksal einen Teil dessen, was es einem gegeben hat, wieder zurückgeben. Und da ich als bekennender Jude Israel liebe, bin ich an der Sicherheit Israels interessiert und zutiefst davon überzeugt, dass die Sicherheit Israels nur in einem dauerhaften Frieden in einer 2-Staaten-Lösung, wie im Friedensplan von Oslo verankert, mit 2 unabhängigen Staaten Palästina und Israel in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum in sicher anerkennenden Grenzen möglich ist. Hierfür muss Palästina ein lebensfähiger Staat sein, zu dem auch ein funktionierendes Gesundheitssystem gehört. Das zu unterstützen und aufzubauen habe ich mir vorgenommen.

Darüber hinaus arbeitet das Peres Center for Peace jenseits der Politik auf der Ebene der zivilen Gesellschaft daran, ein zwischenmenschliches Fundament zu bauen, auf dem der in meinen Augen unausweichliche zukünftige Frieden basieren wird.
Dazu gehören Projekte des Sports und der Kultur für die miteinander heranwachsende Jugend, gemeinsame Wirtschaftsprojekte junger israelischer und palästinensischer Unternehmer, gemeinsame Wissenschafts - und Forschungsprojekte, sowie die Verbesserung des Gesundheitswesens in Palästina durch Ausbildung von Fachärzten und die Versorgung palästinensischer Kinder in israelischen Krankenhäusern, die in Palästina keine adäquate medizinische Versorgung finden würden, auf Kosten des Peres Center for Peace.


Juni 2011: Dr. Marianowicz in Nablus im Rahmen des Projektes "Operation Frieden"
(Bildergalerie: zum Vergrößern bitte anklicken)

Das Peres Center for Peace versucht, durch Projekte für Kinder- und Jugendliche aus Israel und Palästina den Weg zur Versöhnung zu ebnen. Welche Projekte stechen da besonders hervor?

Das Hauptprojekt ist der gemeinsame Sport, die gemeinsamen sportlichen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen aus sozial unterprivilegierten Regionen, bei denen die Vorurteile gegeneinander besonders hoch sind. So treiben 20.000 israelische und palästinensische Kinder aus Flüchtlingslagern und aus israelischen Entwicklungsstädten gemeinsam Sport, lernen zusammen Englisch und lernen sich so kennen und Vorurteile abzubauen, bevor sie in den Strudel der Gewalt gelangen. Diese sogenannten „twined sports projects“, bei denen palästinensische und israelische Schulklassen gemeinsam Sport treiben und Sprachen lernen, sind die Säulen der Aktivitäten des Peres Center for Peace.

Wie reagieren Kinder und Eltern auf die Projekte?

Die älteren Kinder sind völlig offen, denn die meisten Eltern haben nur ein Ziel: Ihren Kindern in Frieden und Wohlstand Bildung zu geben und ihnen eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen. Die Kinder kennen, sobald sie miteinander Sport treiben, keine Vorurteile und das ist das Ziel der Aktivitäten – wer gemeinsam Sport treibt, lernt sich kennen und schießt nicht aufeinander.

Welche Schritte sind aus Ihrer Sicht am dringlichsten, um gerade palästinensischen Jugendlichen bessere Ausbildungschancen zu geben, vielleicht die wichtigste Voraussetzung für einen Frieden im Nahen Osten?

Bessere Ausbildungschancen sind mit Arbeitsplätzen und dem Bedarf an Arbeitskräften verbunden, d.h., es Bedarf eines wirtschaftlichen Aufschwungs, der in Palästina momentan, zumindest in der West-Bank einsetzt, mit einem Wirtschaftswachstum von 7,5 % und Bedarf an Arbeitskräften mit immer mehr hoher Qualifikation.

Es scheint, dass auf beiden Seiten der Hass schon in die Wiege gelegt wird. Zeigt da die Medizin, die das Peres Center for Peace gibt, überhaupt eine Wirkung? Ist das ein Ansatz, der eine friedvolle Zukunft gestalten kann?

Der Hass beruht auf der Unkenntnis der anderen Seite und falschen Vorstellungen und Vorurteilen, die durch die Erstellung der Mauer und das Separieren beider Völker noch verstärkt worden ist. Fast 90% aller Palästinenser der jüngeren Generation und der Israelis haben sich nie wirklich kennen gelernt, geschweige denn einen Kaffee zusammen getrunken oder sich außer an Checkpoints miteinander unterhalten. Das Miteinander baut Vorurteile ab und führt zu einem Verstehen, dass auf der zwischenmenschlichen persönlichen Ebene ohnehin kein Problem ist.

Wie sehen die politisch Verantwortlichen in Palästina und Israel Ihre Arbeit?

Wir werden von beiden Seiten sehr stark unterstützt. Die Israelis fördern unsere Arbeit und die palästinensische Autonomieregierung nimmt unsere Hilfe gerne an und entwickelt mit uns neue Projekte.

Wie sehen Sie z.B. die medizinische Versorgung in den palästinensischen Gebieten ? Übernimmt das Peres Center for Peace in dem Bereich Aufgaben? Könnte Deutschland mit seinem hohen medizinischen Standard eine stärkere Rolle spielen?

Die medizinische Versorgung in den palästinensischen Gebieten leidet unter der Tatsache, dass es wenig hochqualifizierte Ärzte gibt, dass es in Palästina keine Ausbildungsmöglichkeiten gibt und die im Ausland qualifizierten Ärzte für ein deutlich höheres Gehalt lieber in den Golfstaaten oder in Europa oder Amerika arbeiten. Das Peres Center for Peace finanziert die Ausbildung von Fachärzten in Palästina an verschiedenen israelischen Krankenhäusern und verpflichtet die Ärzte über Verträge auch in Palästina zu bleiben und nicht in andere Länder abzuwandern. Selbstverständlich können wir als das Peres Center for Peace in Deutschland, durch unsere hohe technische und fachmedizinische Ausbildung diese Projekte unterstützen und vor Ort zur Ausbildung der Ärzte beitragen.

Daniel Barenboim hat mit seinem East-West-Diwan Orchester gezeigt, dass gemeinsames Musizieren zwischen Arabern und Israelis möglich ist und Grenzen und Hass überwinden kann. Wenn ich Sie richtig verstehe, wollen Sie zeigen, dass dieser Ansatz auf vielen Gebieten funktionieren kann oder …?

Das Peres Center for Peace in Deutschland kooperiert mit 7 palästinensischen Non-Gouvernement-Organisationen (NGO), sonst wäre so eine Arbeit gar nicht möglich. Auf zwischenmenschlicher Ebene, sowohl auf den Gebieten der Medizin, der Wirtschaft, der Forschung, der Lehre und des Handelns ist ein konstruktives Miteinander ohne Probleme möglich, insbesondere durch die Ähnlichkeit der Mentalität beider Völker. Das größte Hindernis ist die Politik und die Vorurteile derer, die keinen Kontakt miteinander haben.

Herr Dr. Marianowicz wir danken Ihnen.

Vita: Dr. med. Martin Marianowicz

Dr. med. Martin Marianowicz, München, ist Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie und Sportmedizin, Wegbereiter orthopädischer Schmerztherapie sowie minimal-invasiver Wirbelsäulen- und Bandscheibenbehandlung und gilt als einer der renommiertesten Rückenspezialisten Europas.
1991 gründete er die Praxisgemeinschaft Kreillerstraße als Keimzelle des heute aus Praxis, Tagesklinik und Klinik für orthopädische Schmerz- und Mikrotherapie sowie Physiotherapie bestehenden Marianowicz Zentrums in München.
Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die ambulante und stationäre orthopädische Schmerztherapie sowie minimal-invasive Therapien bei Wirbelsäulen- und Bandscheibenerkrankungen.
Dr. Martin Marianowicz ist darüber hinaus ärztlicher Direktor der Privatklinik Jägerwinkel in Bad Wiessee (Tegernsee), Präsident der Sektion Zentral- und Osteuropa des World Institute of Pain und der Deutschen Gesellschaft für Wirbelsäulenendoskopie und interventioneller Schmerztherapie.